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LEIPZIGER

LITERATUR-ZEITUNG

FÜR

DAS JAHR 1814.

TOTHE

ZWEITES HALBJAHR, N: 157 BIS N: 320.

LEIPZIG

BEY BREITKOPF UND HÄRTEL.

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Leipziger

Am 1. des July.

Literatur-Zeitung.

157.

Medicin.

The Edinburgh new Dispensatory, containing I. the elements of pharmaceutical chemistry. II. the Materia medica; or the natural, pharmaceutical and medical history of the substances employed in medicine. III. the pharm. preparations and compositions. By Andr. Duncan jun. M. D. reg. profess, of medic. jurisprud. in the university of Edinb. Fellow of the roy. college of phys. and roy. Soc. of Edinb. and assoc, of the Linn. soc. of Lond, Seventh ed, correct. and enlarg. Edinburgh 1813. CXCII. u. 743 S. 8.

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1

So

Die Zusätze und Verbesserungen, wodurch sich diese neueste Auflage von der dritten, welche Rec. nebst der zweyten vor sich liegen hat, auszeichnet, sind beträchtlich, wie sich dieses schon aus der stärkern Seitenzahl, welche in der dritten nur XVI. u. 752 beträgt, zu ergeben scheint. Vorzüglich bemerkt man die verbessernde Hand des Vf. in dem chemischen Theile, wo er von Davy's Anfangsgründen der Chemie Gebrauch gemacht hat. schieht er, um nur einige Beyspiele dieser Veränderungen und Zusätze aus der grossen Menge derselben anzuführen, zwischen Zurückstossung und Verwandtschaft die Schwere ein, und sagt von ihr, dass die allgemeinste Art der Anziehung die sey, wodurch Körpermassen sich einander zu nähern chen; dass Licht, Wärme, Elektricität und Magnetismus allein sich dem Einfluss derselben za ent

1814.

ziehen scheinen, weswegen man diese Substanzen, wiewohl unrichtig, unwägbare genennt habe: sie wären D. T. Thomson's unbegränzbare, oder H. Davy's ätherische Substanzen." Nun fügt er noch sechs die Schwere charakterisirende Eigenschaften hinzu. Was in der dritten Ausgabe von der Anziehung gesagt worden ist, das hat jetzt eine bedeutende Umänderung erlitten. Auch die Classification der einfachen oder elementarischen Substanzen, ist jetzt (nach Davy) ganz anders, als zuvor. Auf diese Weise geht es durch den ganzen ersten Theil fort, welcher keine Seite ohne bedeutende Zusätze und Aenderungen behalten hat.

Minder reich ist zwar der zweyte Theil, welcher eine alphabetische Aufzählung der in der Edineinfachen Arz

Rec. bemerkt mit Vergnügen den verdienten Bey-neykörper enthält, ausgestattet, allein hin und wie

fall, welchen dieses gehaltvolle Werk in England erhalten hat, und den man aus den schnell wiederholten Auflagen desselben erkennen kann. Denn seit 1805, wo die erste sehr starke Auflage erschien, kam 1004 die zweyte, 1806 die dritte, und im vorigen Jahre die siebente heraus. Bey jeder derselben sucht der Hr. Verf. Verbesserungen und Vermehrungen anzubringen, und sich dadurch den erhaltenen Beyfall für die Zukunft zu sichern. Auch Deutschland hat den Werth dieses Werks anerkannt. Eine doppelte Uebersetzung ist von ihm erschienen, wovou die erstere D. Sam. Hahnemann 1797, die letztere zwey hiesige Professoren, Dr. Eschenbach und Kühn 1808. f. besorgt haben.

der findet sich doch etwas hinzugesetzt oder weggenommen, oder geändert. So ist hinzugekommen S. 8. Agrimonia eupatoria; S. 11. ein Zusatz über die Gewohnheit der Apotheker, anstatt des verdünnten Alkohols sich eines unreinen Branntweins zu bedienen, und über die verschiedene Stärke desselben in den drey Pharmakopöen des Königreichs; S. 12. die Bemerkung, dass der Knoblauch durchs Kochen seine ganze Kraft verliere; dass aber seine besondern Kräfte einigermassen durch Alkohol und Essigsäure ausgezogen werden können; S. 14. ist Allium porrum; S. 15. die Anmerkung, dass das Londner und Dubliner Collegium der Aerzte mit Thunberg darin übereinstimmen, die Aloe spicata als die Species, welche die Socotrinische Aloe hervorbringt, hingegen die Aloe vulgaris als die Quelle der Aloe aus Barbados anzusehen. Dieser letztern Meinung sey auch der verstorbene Sibthorpe in seinem grossen Werke: Flora Graeca, mit dessen Herausgabe sich gegenwärtig D. Smith beschäftige. S. 17. die Kennzeichen, wodurch sich die reine Pferdealoe von der Socotrinischen unterscheiden lässt, und Trommsdorffs und la Grange's Analysen der Aloe. Bey dieser Gelegenheit bemerkt Rec. ein für allemal, dass die officinellen Zubereitungen, zu welchen ein einfacher Arzneykörper in der Londner, Dubliner und Edinburger Pharmakopöe genommen wird, womit in den vorigen Ausgaben jeder Artikel beschlossen wurde, in der neuesten weggelassen worden sind. S. 19.,,Das Ammoniakgummi wird jetzt von dem Londner Collegium der Aerzte, auf Willdenow's Ansehen, von dem He

racleum gummiferum hergeleitet, welcher diese flanze aus Samen gezogen hat, die in dem käuflichen Ammoniakgummi gefunden worden waren. Er ist überzeugt, dass diess die Pflanze sey, von welcher dieses Gummi herkommt, ob er es gleich aus den zu Berlin gezogenen Pflanzen zu gewinnen nicht im Stande gewesen ist. Ich bedaure, dass ich die Flora Berolinensis nicht habe einsehen können, in welcher diese Pflanze beschrieben ist, um die Frage mit Gewissheit durch die Vergleichung jener Figur mit der von Jackson in s. Account of the empire of Marocco gelieferten, welche zwar nicht die Zeichnung eines Botanikers, aber sehr charakteristisch ist, entscheiden zu können. Er gibt folgende Nachricht von der Pflanze, mit welcher er vollkommen bekannt war. Das Ammoniak, welches im Arabischen Feschuk heisst, kommt von einer Pflanze her, welche dem europäischen Fenchel ähnlich, nur viel grösser ist. In den meisten Ebenen des Innern von Marocco, und vorzuglich um El Araiche und M'scharrah Rummillah wächst sie zehn Fuss hoch. Das Ammoniakgummi wird durch Einschnitte in die Aeste erhalten, aus welchen ein milchichter klebriger Saft hervorquillt, der, von der Sonnenhitze erhärtet, abfällt, und sich auf dem Boden mit einer rothen Erde vermischt, welche den Grund ausmacht, warum das aus der Barbarey kommende Ammoniak von den Londoner Kaufleuten nicht gesucht wird. Man kann dasselbe jedoch, mit einer kleinen Mühe, vollkommen rein erhalten. Aber wenn sich ein Vorurtheil einmal in Betreff eines besondern Gegenstandes festgesetzt hat, so ist es schwer, dasselbe auszurotten. Das Gummi in dem beschriebenen Zustande, wird in allen Gegenden Marocco's zu Umschlägen und Räucherungen gebraucht. Der sandige, leichte Boden, in welchem die Ammoniakpflanze wächst, wird in den nördlichen Provinzen des Reichs häufig angetroffen. Es ist merkwürdig, dass weder ein Vogel, den einzigen Geyer ausgenommen, noch ein andres Thier da hauset, wo diese Pflanze wächst. Indessen findet sich eine Käferart auf ihr, auf deren Nase ein langes Horn steht, womit sie die Pflanze verletzt, und das Ausschwitzen des Gummi veranlasst." Noch findet sich ein kleinerer Zusatz über die verschiedenen Sorten des Ammoniaks bey diesem Artikel S. 21. bey Amomum ist Roscoe's botanische Unterscheidung zwischen Zingiber und Cardamomum angeführt, und S. 25. erwähnt worden, dass die Saamen, welche Murray u. a. m. von Amonum Cardamomum hergeleitet haben, vielmehr nach Sonnerat, von dem Amomum repens herkom men. Um die Verwirrung zu vermehren, hat das Londner Collegium der Aerzte aus der Species A. Car amomum, ein nenes Geschlecht Ellettaria Cardan omum) gemacht. S. 59. bey Astragalus Trag cantha ist angemerkt, dass es jetzt, nach Olivier, ausgemacht sey, dass der käufliche Tragant von dem Astragalus verus herkomme. Die Gewinnungsart dieser Drogue ist mit Olivier's Worten beschrieben.

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S. 65. ist hey Boletus igniarius Bouillon Lagrange's chemische Analyse desselben hinzugefügt, und nachher Butea frondosa eingeschoben, welcher Baum, nach der, wiewohl irrigen Behauptung des Dubliner Medicinal - Collegiums, das Kinogummi liefern soll. Der Hr. Vf. stimmt Roxburgh's Versicherung bey, dass der concrete Saft der Butea frondosa und der Saft des Eucalyptus resinifera, welchier das wahre Kinogummi liefert, verschieden sey. Das chemische Verhalten beyder verhärteter Sätte ist mit Roxburghs Worten angegeben. S. 9o u. 91. ist die irrige Behauptung dem Verf. entwischt, dass die gemeine oder blasse Perurinde von der Cinchona cordifolia, die gelbe hingegen von der C. lancifolia gewonnen werde, da gerade das Gegentheil Statt hat, wie er diess auch noch in der Vorrede mit mehrerm dargethan hat. Auch der Artikel Colomba S. 108. hat einige kleine Veränderungen und Zusätze erhalten. Bey der Rhabarber war ehedem nur die einzige Art Rh. palmatum bemerkt; jetzt ist Rh. undulatum noch hinzugekommen. S. 235. ist nicht allein die Cultur der Rhabarber (Rh. palmatum), sondern auch die Vorrichtung der gezogenen Wurzeln für den Verkauf beschrieben. In der Nachbarschaft von Edinburgh wird sehr viel Rhabarber gebauet. Nach Scilla maritima ist S. 249. Scrophularia nodosa hinz gekommen. - S. 255. ist Braconnot's chemische Anaiyse des Gummigutt's mit der Bemerkung, dass sie eine Wiederholung verdiene, beygefügt. Bey Vitis vinifera eine doppelte Tabelle von Brande und Neumann über den Gehalt verschiedener Weine und geistiger Flüssigkeiten. S. 275. Zincum. Hier vermisst Rec. Sulphur zinci, das in den vorigen Ausgaben stand.

Sehr stark verändert ist der dritte Theil, welcher die pharmaceutischen Präparate und Zusammensetzungen enthält. Gleich das erste, dem Schwefel gewidmete Capitel ist mit folgenden Zusätzen vermehrt: sulphuretum potassae, sulphuretum kali, Aqua sulphureti kali, Hydrosulphuretum ammoniae oder sulphuretum ferri, Aqua sulphureti ammoniae. Das zweyte Cap. hat gleichfalls bedeutende Vermehrungen z. B. Acid. sulphuric. nitric. u. muriat. dilutum bey Dalton's Tabellen über die Menge von wirklicher Säure in 100 Theilen dieser Säuren von einem bestimmten specifischen Gewichte bey 60°, u. s. W. Bey der Salzsäure war sonst blos die übergesäuerte Salzsäure erwähnt, jetzt ist aus der Dubliner Pharmakopöe die Aqua alcalina oxymuriatica und die Aqua oxymuriatica, desgleichen die Citronensäure neu hinzugekommen, dagegen die Aqua aeris fixi und Hydro-sulphuretum ammoniae jetzt weggelassen worden sind. Und auf die nämliche Weise ist in allen übrigen Capiteln bald eine grössere Vollständigkeit durch Zusätze bewirkt, bald Sätze, welche die neuern Fortschritte in der Chemie, besondes Davy's Entdeckungen, ganz über den Haufen stossen oder wenigstens einschränken, weggestrichen oder umgeändert worden.

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