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In einem der vielen Ausflüsse der Wolga wächst die eigentlich in Indien einheimische und dessen Bewohnern heilige Prachtpflanze Nelumbo (Cyamus Nelumbo Sm. Nelumbium Willd.). Schon einer meiner Vorgänger, D. Londes, (scitdem zu Georgiensk am Kaukasus verstorben), hatte sie einige Jahre vor meiner Ankunft aufgesucht, gesammelt und entzückt die Pracht ihres Anblicks gepriesen. Mir ward der Auftrag dieselbe, wo möglich, lebend in den Garten nach Gorenki zu verpflanzen.

Ich schwamm deshalb mit einer Gondel auf der Wolga 60 Werst von Astrachan abwärts bis nach Sedlüstow, einer an den Mündungen der Wolga liegenden Insel, wo sich die Seequarantäne befindet, erhielt hier einen mit den labyrinthischen Krümmungen der Wolgaausflüsse und mit der Stelle, wo das Nelumbium wächst, bekannten Führer, und hatte das Glück, dies Prachtgewächs, in welchem die Indische Mythologie das göttliche Geheimniss der Zeugung zu finden glaubt, in Menge blühend anzutreffen. Es wächst an einer einzelnen Stelle in einem der Seitenau-flüsse der Wolga, in zwey bis drittehalb Ellen tiefem Wasser, wo die starke Wurzel desselben im moorigten Grund viele Ellen weit fortrankt und auf mehrern Puncten alljährlich frische, blühende Schösslinge über das Wasser emportreibt,

Ich verpackte eine hinlängliche Anzahl dieser Wurzelzweige sorgfältig in ein mit Wasser angefülltes Gefass und sendete dies durch die Post in möglichster Schnelligkeit von Astrachan nach Gorenki. Ich erhielt in der Folge die Nachricht, dass sie zu grosser Freude der dasigen Botaniker noch grünend und lebend angekommen und in ein eignes, hierzu besonders bestimmtes Bassin verpflanzt worden wären. Doch aller Vorsicht und Mühe ohngeachtet, schlug die Hofnung dies köstliche, seltene Gewächs in dem. dasigen Garten einheimisch und zu einer Zierde desselben zu machen, fehl. Schon im ersten Winter nach seiner Verpflanzung ging dies Prachtgewächs wiederum ein.

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chan zu Anfang des Monats September, nachdem ich
vorher an dem jenseitigen Wolga Ufer zu Solänka,
nebst meiner Begleitung, Quarantine gehalten hatte.
Diese war indessen nicht so streng, dsss wir nicht
Erlaubniss erhalten hätten, während der Dauer der-
selben Excursionen in die benachbarte Gegend zu un-
ternehmen. Ich ging von hier auf das linke Ufer
der Wolga zurück und auf einem Seitenarm dersel-
ben nach Krasnoyar, einem ohngefähr 30 Werst von
Astrachan entfernten kleinen Städtchen, das rings
um von Wasser umflossen wird. Dieser Ort ward
uns weniger durch Pflanzen, als durch mehrere selte-
ne Wasservögel, Schnepfen- und Strandläuferarten,
die wir hier erbeuteten, interessant.

Ich machte von Sedlüstow einen Abstecher nach der einige Meilen von der Seeküste entfernten Insel die vier Hugel, welche zum Signal für die in die Wolga einlaufenden Schiffe, mit einem hohen L.euchtthurm versehn ist. Es wurden uns hier einige neue Insekten und mehrere schöne Pflanzen zu Theil.

Die Gegend um Astrachan selbst gewährt weder in botanischer noch in entomologischer Hinsicht eine bedeutende Ausbeute. Im Frühjahr ist sie, wie ich. aus den Proben, welche mir ein hiesiger Sammler Die seinen Vorräthen mittheilte, interessanter. blutgierigen Mücken, welche die Umgebungen Gurieff's zu einer Hölle machen, sind auch die Plage der hiesigen Gegend, obgleich im minderen Grade lästig.

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Man hatte mich von Moskau aus veranlasst, bey Annäherung des Herbstes eine Excursion in die nordöstlich von Astrachan gelegenen Steppengegenden zu unternehmen, und diese vorzüglich der Ernte der Salzkräuter zu widmen. Ich verliess demnach Astra

Dieser Stamm ist nicht sehr zahlreich und be-
steht vielleicht im Gauzen kaum aus 5-600 Kibitken
oder Filzzelten und ohngefähr 3000 Seelen.
Wohlstand übertrift er alle übrigen Steppenvölker,
besonders die Kalmücken und Kirgisen weit. Dieser
zeigt sich im Acusern schon an seinen geräumigern
und reinlichern Filzzelten, an der bessern Kleidung,
und dem Putze der Weiber, und in dem Gebrauch
eines eigenthümlichen Fuhrwerks, eines ungeheuren,
zweyrädrigen, bedeckten Karrens, Arpa genannt,
welcher das bewegliche Wohnhaus der Weiber und
ihre ganze Haabe trägt.

In einer Entfernung von 300 Werst von Kras-
noyar, nördlicher als Arsagar, liegt ein dem letztern
Ort ähnlicher, aber mehr bekannter Steinsalzhugel,
von den Mongolen Tschaptschatschi genannt. Wir
suchten ihn auf Ein Kranz Von ze lich schrollen
Hügeln, 14 bis 15 Werst im Umfang, wo hier und
da festes Steinsalz zu Tage aussteht, oder doch nur
durch eine dünne Erdschicht bedeckt ist, hat in seiner
Mitte eine Kraterförmige Vertiefung
von einigen
Wersten im Umkreis. Im Frühjahr beim Schmelzen

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Der nahe gelegene Theil der Steppe pflegt wäh-
rend des Sommers von einem Nomadenstamm, den
Konduroffskyschen Tataren, durchzogen zu werden,
welcher, wider die sonstige Gewohnheit der Steppen- Colo
bewohner, den Winter in bleibenden Wohnungen, in
zwey nahe an der Wolga gelegenen Dörfern, zuzu-
bringen pflegt. Von allen Nomaden, die ich bisher
sah und besuchte, sind dies bey weitem die gebildet-he
sten und wohlhabendsten. Ich war einige Tage lang
der Gast eines der angesehensten unter ihnen. Sein
ehrwürdiges Acussere glich dem Bild, das uns die
mahlerische Phantasie berühmter Künstler von den
Erzvätern zeichnet. Die einfache Sitte, die väter-
lich milde Art, mit welcher das Oberhaupt der Fami-
lie über alle zum Familienkreise gehörige Perso-
nen, Weiber, Kinder, Gesinde, unumschränkt herrscht,
die, fast möchte ich sagen, zärtliche Sorgfalt, welche
für die Heerden, aus Pferden, Kameelen, Rindern und
Schaafen bestehend, dem Reichthum des Nomaden,
denen er fast einzig und allein seinen Unterhalt ver-
dankt, getragen wird, erinnert lebhaft an die altte-
stamentlichen Schilderungen der patriarchalischen Sitten
der Urwelt.

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des Schnees füllt sie sich mit Wasser, das in der
Hitze des Sommers verdünstet, und ein Gemisch von
Salpeter, Glauber- und Kochsalz zurückläst. Anhöhen
sowohl als die Ufer dieses Salzteichs sind mit einer
Menge ausgezeichneter Salzkräuter versehen, doch
suchten wir unter denselben die seltene und schöne
Sats. rosacea Pall., auf die man mich vorzüglich auf-
merksam gemacht hatte, vergeblich. Zwischen dem
Steinsalzgebirge Tschaptschatschi und der Achtuba
trafen wir unvermuthet auf einen Ort, wo Pallasia,
von welcher wir früher an den Kamysch Samara
Seen nur einen einzelnen isolirten Strauch gefunden
batten, ungemein häufig stand.

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Von dem Flecken Wolodimirofka an der Achtuflegt wilba unternahm ich zum zweytenmal eine Seitentour in die Gegend des Bogdosees, die ich zwey Jahr vorher im Frühling besucht hatte, jetzt aber freilich in einem ganz andern Colorit fand. Die üppige bunte Frühlingsflor war verschwunden, und nur einfache blüthenlose Salzkräuter an deren Stelle getreten. Doch diese waren es ja, die wir suchten. Nach einer über Erwartung reichen Erte, zu welcher sich einige vorher noch nicht bemerkte Arten gesellten, kehrte ich auf dem nehmlichen Wege, den ich vor zwey Jahren genommen hatte, auf das jenseitige Wolgaufer und nach Sarepta zurück.

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Man beschloss aus
mehrern Gründen hier zu
überwintern. Da der Bukharische Reiseplan gänzlich
ansgesetzt zu seyn schien, so knüpften sich erneuete
Vorschläge und Unterhandlungen an über eine künf-
tige, mit einer erweiterten Reisegesellschaft zu unter-
nehmende Reise in die liebliche am südlichen Ufer
des kaspischen See gelegene persische Provinz Masan-
deran, an deren Grenzen sich die Persische Reise des
Jungern Gmelin ehemals so unglücklich endigte.

Doch eine heftige Krankheit, die mich hier in
der Folge befiel, sich in mehreren Recidiven erneuete
and von der ich nur allmählig und langsam genas,
Terbot mir an jeden grössern Reiseplan zu denken.

Mein bisheriger Begleiter Herr Herrmann, unternahm eine Seitenexcursion in die südlichen Gegenden des Dons zwischen Katschalna und dem Hauptort der Donischen Kosaken Tscherkask. Ich aber eilte in den ersten Tagen des Jun. 18 2 über Tambow, Riesan nach Moskau und Gorenki zurück.

A. M. Tauscher.

Ankündigungen.

In unserm Verlage sind erschienen:

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Steinsalth
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lich schr
wo hier

allners Spiele für die Bühne.
farbige Umschlag brochirt.
Die in dieser Lieferung enthaltenen Stücke, (der

in

Erste Lieferung 8.
1 Thlr. 4 Gr.

der dele Februar, die Vertrauten, der angolische Kater,
hat in die Rükkunft) siud den Knn tfreunden grösserer

von e

te schon von der Bihne her bekannt. Kleinern
eatern und Privatbühnen empfehlen wir sie um so

im Schwe

mehr, da sie sämmtlich nur zu 4 bis 7 Personen und in Hinsicht auf Decoration und Kostum weder kostspielig noch umständlich sind. Keines davon erfordert ungewöhnliche Kleidung, und, die Vertrauten ausgenommen, deren zweyter Akt im Garten spielt, könsie vor einem freundschaftlichen Zirkel im Besuchzimmer dargestellt werden.

Breitkopf et Härtel in Leipzig.

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Idem liber, charta script. gall.

2 Rthlr. 6 Gr. od. 4 Fl. 3 kr. Idem liber, charta membranacea

3 Rthlr. 8 Gr. od. 6 Fl. Platonis Leges et Epinomis ad optimorum librorum fidem emendavit, perpetua adnotatione illustravit et indices rerum ac verborum adiecit D. Frider. Astius. II Tomi 8 maj. Charta impress. 5 Rthlr. od. 9 FI. Idem liber, charta script. gall.

6 Rthlr. 1 Gr. od. 11 Fl. 42 kr.

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