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Sünde hat das ganze menschliche | lem vocant, genus totum humaGeschlecht so durchdrungen, und hat num sic pervasit, ut nulla ope es so verwüstet und vergiftet, daß dem iræ filius, inimicusque Dei nisi Menschen, der ein Kind des Zornes divina per

Christum curari pound ein Feind Gottes geworden war, tuerit. Nam si quid frugis hic Niemand als Gott durch Christum bonæ superstes est, vitiis nostris helfen oder ihn wiederherstellen konnte, assidue debilitatum, in pejus verund was in ihm Gutes übrig geblieben git. Superat enim mali vis, et ist, das wird durch tägliche Mängel nec rationem persequi, nec mentis und Gebrechen [prästen] für und für divinitatem excolere sinit.' geschwächt, so daß es noch ärger wird; denn die Kraft der Sünde und des Gebrechens [prästen] in uns ist so mädytig, daß weder die Vernunft dem, was sie erfannt, nachkommen, noch der Verstand das göttliche Fünflein pflanzen und weiterbringen kann.'

IX. Von der freien Willfür, die IX. LIBERUM ARBITRIUM. man den freien Willen nennt.

Deßbalb schreiben wir dem Menschen Unde sic homini liberum arbieine freie Wilfür also zu, weil wir an trium tribuimus, ut qui scientes uns selbst befinden, daß wir mit Wissen et volentes agere nos bona et mala und Willen Gutes und Böses thun. experimur, mala quidem agere Das Böse fönnen wir von uns selbst sponte nostra queamus, bona vero thun, das Gute aber fönnen wir weder amplecti et persequi, nisi gratia annehmen, noch vollbringen, wir seien Christi illustrati, Spiritu ejus denn durdy die Gnade Christi erleuchtet, impulsi, non

queamus.

Deus erwedet und getrieben; denn Gott ist enim is est, qui operatur in noder, der in uns das Wollen und Voll- bis et velle et perficere pro bona bringen wirkt, nady seinem guten Wil- sua voluntate. Et ex Deo salus, len; aus Gott ist unser Heil, aus e nobis perditio est.? uns aber ist nichts, als Sünde und Verdammniß.

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X. Wie Gott den Menschen durch X. CONSILIUM DEI ÆTERNUM DE

seinen ewigen Rathidhluß wie: REPARATIONE HOMINIS. dergebracht habe. Wiewohl nun der Mensch durch diese Hujus igitur hominis hac seine Schuld und Uebertretung zur ewi- culpa damnationi addicti, et in gen Berdammniß verurtheilt und in den indignationem justam incurrengerechten Zorn Gottes gefallen ist, so tis, nunquam tamen curam gebat doch Gott, der gnädige Vater, nie rere Deus Pater desiit. Id quod aufgehört, Sorge für ihn zu tragen, ex primis promissionibus, legeque welches wir aus der ersten Verbeißung tota (quæ peccatum excitat, non und aus dem ganzen Geseß (durch extinguit) et a Christo in hoc welches die Sünde erwedt, nicht er- destinato prcstitoque perspicuum löidyt wird), und aus dem Herrn Christo, est. der dazu verordnet und gegeben ist, flar und offenbar genug merfen und versteben fönnen.

XI. Von dem Herrn Cbrifto, und XI. JESUS CHRISTUS ET QUÆ PER was wir durch ibn baben.

CHRISTUM. Dieser Herr Christus, ein wahrer Hic Christus verus Dei Filius, Sohn Gottes, wahrer Gott und verusque Deus, et homo verus, Mensdy, bat in der Zeit, die Gott quum juxta præfinitum tempus yon Ewigkeit dazu bestimmt hat, die hominem totum, id est, anima et wahre menschliche Natur, mit Leib und corpore constantem assumpsisset, Seele angenommen, hat zwei unter: in una individuaque persona jdiedene, unvermischte Naturen in einer duas, sed impermixtas naturas eingen unzertrennlichen Person, welche obtinens, ut vitæ mortuos nos reAnnehmung menschlicher Natur darum stitueret, et Dei cohæredes facegeschehen ist, daß er uns, die todt waren, ret, frater noster factus est.? wieder lebendig und zu Miterben Gottes madyte, weßhalb er auch unser Bruder geworden ist.?

Dieser Herr Christus, der Sohn Is sacrosanctam divinitatis des wahren, lebendigen Gottes, hat unione carnem, nostræ (peccato

• Joh, i.; Gal. iv.; Joh. xvi.; Heb. ii.

* Eph. i.; Gen. iii.; Rom. vii. VOL. III.-P

das Fleisd), das durch die Vereinba- solum excepto, quoniam illibatam rung mit der Gottheit heilig ist, unserm esse hostiam oportebat) per om. Fleisch in allen Dingen gleich, ausge- nia similem, ex intacta Virgine nommen die Sünde, weil es ein reines, Maria, Spiritu Sancto coopeunbefledtes Opfer sein sollte, aus der rante, sumens, in mortem ad uniunbeflecten Jungfrau Maria turch rersi peccati expiationem tradiMitwirkung Gottes des heiligen Geistes dit.' angenommen, für uns in den Tod gegeben, zu einer Bezahlung, Begnadi: gung und Abwaschung aller Sünden."

Und damit wir eine vollkommne Idem ut esset plena nobis perHoffnung und Vertrauen unsers un- fectaque immortalitatis nostræ sterblichen Lebens haben möchten, hat spes et fiducia, suam ipse carnem, er sein Fleisch, das vom Tode zum de morte suscitatam, in coelum ad Leben wieder auferwedt, zur Rechten omnipotentis Patris dexteram colseines allmächtigen Vaters geseßt.? locavit.?

Dieser Herr Christus, der den Tob, Hic morte, peccato, inferisdie Sünde und alle höllische Gewalt que omnibus triumphatis, victor überwunden und besiegt hat, ist unser duxque, et caput nostrum, ac Vorgänger, unser Führer und unser pontifex vere summus [ad derHaupt; er ist der rechte Hohepriester, teram Patris], sedens, causam der da fißt zur Rechten Gottes, und nostram perpetuo tuetur agitque, unsre Sache überal beschirmt und dum ad imaginem ad quam conführt, bis er uns zu dem Bilde, zu diti erumus, reformet.3 dem wir geschaffen sind, reformire und zurüdbringe, und in die Gemeinschaft seines göttlichen Wesens einführe.3

Auf diesen Herrn Jesum Christum Hunc venturum ad seculorum warten wir, daß er kommen werde am omnium finem, verum rectumEnde der Welt, als ein wahrer, gerechter que judicem, ac sententiam in Richter, der das wahre Urtheil über omnem carnem, ad id judicium alles Fleisch, von ihm zum Urtheil prius suscitatam, laturum, ac auferwedt, fällen wird ; die Frommen pios supra ethera evecturum, imund Gläubigen wird er in den Himmel | pios corpore et anima ad æter

'Heb. v.; Luc. ii. ; 1 Joh. ii.

* 1 Cor. xv.; Act. i.

• Eph. i.; Rom. viii. ; Eph. iv.

führen, und die Ungläubigen wird er num exitium damnaturum, exmit leib und Seele in die ewige Ver- pectamus.? dammniß stoßen und verdammen.'

Dieser Herr Jesus, wie er allein un Qui ut solus est mediator, jer Mittler, Fürsprecher, Dpfer, Hoher intercessor, hostia, idemque et Priester, Herr und König ist, also er- pontifex, dominusque, et rex nokennen wir ihn allein, und glauben von ster, ita hunc solum agnoscimus ganzem Herzen, daß er allein unsre Ver- ac toto corde credimus conciliasöhnung, unsre Erlösung, Heiligung, tionem, redemptionem, sanctifiBezahlung, Weisheit, Schirm und Ret- cationem, expiationem, sapientung sei. Hier verwerfen wir alles tiam, protectionem, assertionem das, was sich als Mittel, Opfer und nostram solum : omne hîc simVersöhnung unsers Lebens und Heils pliciter 'vitae salutisque nostre darstellt, und erkennen feines, als allein medium, præter hunc solum Chriden Herrn Christum.?

stum, rejicientes.?

TRINÆ.

XII. Was der Zwed der evans XII. SCOPUS EVANGELICÆ Doc

gelischen lebre fei. Deßhalb soll in aller evangelischen Itaque in omni doctrina evanLehre das das höchste und vornehmste gelica primum ac præcipuum Þauptstüď sein, das in allen Predigten hoc ingeri debet, sola nos Dei nachdrücklich getrieben und in die Herzen misericordia et Christi merito der Menschen eingedrüdt werden soll, servari. Quo ut intelligant honämlich, daß wir allein durch die einige mines quam opus habeant, pecBarmherzigkeit Gottes und durch das cata eis per legem et mortem ChriBerdienst Christi erhalten und selig sti luculentissime semper sunt werden. Damit aber die Menschen indicanda? verstehen, wie nothwendig ihnen Chriftus zum Heil und zur Seligkeit sei, soll man ihnen die Größe und Schwere ter Sünde durch das Gefes und den Tod Christi auf's Helste und Klarste anzeigen, vorbilden und vor Augen stellen.'

1 Dan. vii.; Joh. v.

: 1 Tim. ü.; Heb. vii.; Rom. iii. ; 1 Cor. i.

• 1 Tim. i. ; Rom. v.

EJUS.

XIII. Wie uns die Gnade Chris XIII. CHRISTIANUS ET OFFICIA

sti und sein Verdienst mitges theilt werden, und welche Frucht daraus folge.

Solche hohe und große Wohlthaten Ista vero tam divina beneficia, göttlicher Gnade und die wahre Heili- 'ac veram Spiritus Dei sanctifigung des Geiftes Gottes erlangen wir cationem, fide mero Dei donc, nicht durch unsre Verdienste oder Kräfte, haud ullis aut viribus aut mo sondern durch den Glauben, der eine ritis nostris consequimur.? lautere Gabe und Geschenk Gottes ist.'

[XIV.] Waß der Glaube sei.?

XIV. DE FIDE. Derselbe Glaube ist ein gewisser, Quce fides certa et indubita fester, ja unbezweifelter Grund und omnium sperandarum de Dei beeine Ergreifung aller der Dinge, die nevolentia rerum substantia est et man von Gott hofft, welcher daraus die apprehensio. Ex sese caritatem Liebe und demnach allerlei Tugenden ac mox præclaros virtutum omund guter Werfe Frucht wachsen madit. nium fructus pullulat. Non quidUnd wiewohl die Frommen und Gläu- quam tamen his officiis, licet piobigen sich in solchen Früchten des Glau- rum, sed ipsi simpliciter justificabens ohne Unterlaß üben, so schreiben tionem et partam salutem gratiæ wir doch die Frommmachung und das Dei tribuimus. erlangte Heil nicht solchen Werken, sondern nur der Gnade Gottes zu.

Dieser Glaube, der sich nicht seiner Atque sic quidem solus verus Werfe, wiewohl er unzählbare gute Dei cultus est, fides inquam nulla Werke wirft, sondern der Barmherzig- operum fiducia, operum fæcunkeit Gottes tröstet, ist der rechte, wahre dissima." Dienst, mit dem man Gott gefällt.”

XV. ECCLESIA.

XIV. [XV.] Von der Kirche.
Wir halten dafür, daß aus den les

Et ex talibus lapidibus supet

* Rom. iii.; Gal. ii. ; Eph. ii.

? From this Article the numbering differs ; the German has twenty-seven, the Latin twenty eight Articles. See Niemeyer, p. 109. But in the Corpus et Syntagma Conf. the Latin bu likewise only twenty-seven Articles.

• Heb. xi.; Gai. v.

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